Die aktuelle Ausgabe des Statistikteils der Handlungsorientierten Sozialberichterstattung vom Niedersächsischen Landesamt für Statistik stellt hauptsächlich die soziale Lage im Jahr 2020 und 2021 dar. Die Tendenz für die nächste Zeit ist bedrohlich.
Klaus-Dieter Gleitze, Geschäftsführer der LAK Niedersachsen, betont:
„Bereits jetzt sind die Armutszahlen auf Rekordniveau und angesichts der explodierenden Inflation gerade im Nahrungsmittel- und Energiebereich, dem Ukrainekrieg , einer drohenden
Rezession ,nahendem Corona-Winter und steigenden Klimafolgekosten droht die Schieflage zu einer Dauereinrichtung zu werden, mit wachsenderTendenz. In Niedersachsen galt 2021 mit einer Quote von16,8 % etwa jede sechste Person als armutsgefährdet. Unter den Minderjährigen war etwa ein Fünftel (21,0 %) und unter den jungen Erwachsenen bis unter 25 Jahren rund ein Viertel (24,8 %) betroffen. Die Armutsgefährdung im Alter (65 Jahre und älter) 2021 mit 17,9 % ist ebenfalls überdurchschnittlich hoch aus, mit einem deutlichen Unterschied zwischen Frauen (20,2%) und Männern (15,2%). Die Zerreißprobe für unsere Gesellschaft liegt nicht nur im materiellen Wohlstandsverlust breiter Schichten und der Ausbreitung von Massenarmut. Die ständigen, sich verstärkenden Krisen ohne absehbare Aussicht auf Besserung verstärken auch die psychischen Belastungen. 60 Prozent aller Haushalte werden absehbar ihr gesamtes Einkommen für den Lebensunterhalt ausgeben müssen, können keine Rücklagen für Notsituationen bilden. Arme und zunehmend Bezieher*innen normaler Einkommen stehen oft angesichts des Winters mit extremen Energiekosten vor der Frage: Wie lange reicht mein Geld im Monat für Ernährung? Diese Situation produziert Ängste und Aggressionen und ist idealer Nährboden für Rechtspopulisten, Verschwörungstheoretiker und Demokratiefeinde, die bereits jetzt für einen heißen Herbst mobilisieren. Staat und Zivilgesellschaft müssen jetzt materielle Abhilfe schaffen und demokratischen Gegendruck aufbauen, neoliberale Kräfte müssen ihren Widerstand gegen eine gerechtere Verteilung der Krisenkosten aufgeben.
Die LAK fordert daher unter anderem:
- Fortführung des 9-Euro-Tickets
- Vollständige Stromkostenübernahme bei Hartz-IV und Grundsicherung durch Jobcenter
- Gaspreisdeckel für eine Energiegrundsicherung
- Erhöhung der Hartz-IV-Regelsätze und Grundsicherung auf 600 Euro im Monat
- Einen Nationale Aktionsplan zur Armutsbekämpfung
- Eine Übergewinnsteuer für Krisengewinner-Konzerne
- Superreiche ab 30 Millionen Vermögen müssen solidarisch an der Finanzierung unseres Gemeinwesens durch eine Vermögensabgabe beteiligt werden
Info: Die Landesarmutskonferenz LAK Niedersachsen wurde 1995 gegründet. Sie ist ein Zusammenschluss von Verbänden, Gewerkschaften und Initiativen.
Hier gibt es alle weiteren Informationen.
Quelle: Klaus-Dieter Gleitze - LAK-Geschäftsführer; Kontakt: 0160 99 50 41 61